Versöhnungsbrief

Donnerstag, 26. März 2015


Hey du...

Ich glaube diese Entschuldigung ist schon längst überfällig. Mir ist heute aufgefallen, wie ungerecht ich dich schon so viele Jahre behandelt habe, ohne dass es mir überhaupt richtig aufgefallen ist. Ständig hatte ich etwas an dir auszusetzen, konnte dich nie richtig lieben und akzeptieren so wie du bist. Obwohl du ja ein Teil von mir bist, und ein bisschen (Selbst-) Liebe in diesem Fall garantiert nicht schaden würde. Ich würde ja am liebsten dem Spiegel die Schuld an dem ganzen Dilemma geben. Schließlich bringt mich ja genau der Blick in diesen ständig dazu, dich kritisch zu beäugen und immer wieder die Stellen an dir zu hassen, die mir nicht gefallen, und dabei die Stellen zu übersehen, die doch eigentlich schön sind, und wegen derer ich dir sehr dankbar sein könnte. Ja, sogar stolz auf dich sein könnte.

Mein lieber Körper, so gerne würde ich die Schuld einfach abwälzen. Auf den bösen Spiegel, der mir irgendwie nie das zeigt, was ich mir wünsche. Auf die bösen Medien, die mir ein Bild von einem Frauenkörper vermitteln, das meist nur durch eine Mischung zwischen Askese und Photoshop überhaupt erst möglich wird. Auf die Menschen, die dich kritisiert haben, und deren Worte mir immer noch im Gedächtnis sind. Aber ob es wirklich darum geht? Ich denke nicht. Denn ich schreibe dir diese Zeilen, weil ich verstanden habe, dass die ,,Schuld" nur bei mir selbst liegt. Es tut mir nur Leid, dass diese Erkenntnis erst so spät kommt.

Denn ich habe eigentlich tausende Gründe, weshalb ich dich lieben darf. Deine Geschichte fing schon als Wunder an, als du im Bauch meiner Mutter entstanden bist. Damals musstest du noch keine Kritik aushalten. Besonders meine Eltern haben dich bedingungslos geliebt und keinen einzigen Punkt an dir gefunden, den sie nicht schön fanden. Du bist gemeinsam mit mir gewachsen. Nicht nur in die Länge, sondern auch an den sich verändernden Herausforderungen, die das Leben für uns bereit hielt. Und trotzdem kam irgendwann der Punkt, an dem ich dich nicht mehr als geliebten Freund betrachten konnte. Unzufriedenheit und Kritik haben unsere Beziehung viel zu sehr bestimmt. Immer wieder auf´s Neue. Viel zu selten hast du von mir mal aufrichtiges Lob gehört. Viel zu selten hast du dich wahrscheinlich von mir angenommen gefühlt.

Als ich schwanger wurde, begann teilweise das Umdenken. Ich war dir so dankbar für all das, was du geleistet hast! Und ich bin es immer noch. Das Ergebnis deiner Anstrengungen halte ich jeden Tag im Arm und liebe es über alles. Allein aus diesem Grund wäre es eigentlich unfair von mir, dich überhaupt jemals wieder zu kritisieren. Doch es ist mir schon wieder passiert. Immer und immer wieder. Nach der Entbindung fiel mir der Blick in den Spiegel schwerer als je zuvor. Ich wunderte mich bei dem Anblick, was ich zuvor überhaupt zu meckern hatte. Ich wünschte mir dich in deiner Version vor der Schwangerschaft zurück. Merkte auf´s Neue wie undankbar ich schon damals war. 

Extrakilos, Schwangerschaftsstreifen, schlaffere Haut, Haarausfall und all das was von Natur aus meist zur Zeit nach der Entbindung gehört, brachten mich erneut dazu, dich nicht so akzeptieren zu können, wie du bist. Mit Diäten, Sport und co. habe ich dir den mühsamen Kampf angesagt. Das bereue ich auch nicht. Aber wenn ich die Zeit noch einmal zurück drehen könnte, würde ich das nicht tun, weil ich dich als ,,Feind" betrachte. Dann hätten wir das als Team anpacken können. Wir hätten als Freunde gemeinsam meinen alten Kleiderschrank wieder zurück erobert. Einfach weil ich dir und mir etwas Gutes tun wollte. Stattdessen habe ich das im Alleingang gemacht und dich als mein Feindbild zur Motivation genommen.

Mein lieber Körper, es tut mir Leid. Ich hoffe, du nimmst mein Versöhnungsangebot an. Denn von nun an will ich dich nicht mehr als meinen Feind betrachten. Ich will viel lieber dankbar sein für all die schwierigen Situationen, die wir gemeinsam durchgestanden haben. Auch wenn du nicht ,,perfekt" bist, will ich dich einfach lieben und akzeptieren so wie du bist. Schließlich bin ich selbst ebenfalls nicht perfekt. Ich hoffe du kannst mir vergeben. Und immer wenn ich erneut in der Versuchung stehe, dich ungerecht zu behandeln, will ich diesen Brief lesen und hoffen, dass er mich abermals zum Umdenken bringt. 


Danke für deine Geduld!

In Liebe, 
deine Katharina 




Wie seid ihr mit den körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft und nach der Entbindung umgegangen? Fällt es euch eher schwerer oder leichter, euren Körper so zu lieben und zu akzeptieren wie er ist?

Die Macht unserer Worte - Von Biestern, Heldinnen und anderen Mütterwesen

Mittwoch, 18. März 2015

Bevor es bei mir selbst soweit war, war mein Bild von Schwangeren und frischgebackenen Müttern irgendwie romantisch verklärt. Sie hatten für mich immer so etwas unglaublich herzliches, warmes an sich, wenn sie ihren Bauch streichelten und dann bald endlich ihr Baby im Arm hielten. Obwohl sie dabei selbst noch ein wenig zerbrechlich wirkten, weil man ihnen die Strapazen der Schwangerschaft, Entbindung und der kurzen Nächte meist noch ansah. Trotzdem verströmten sie ohne sich darum zu bemühen ganz viel Liebe, wenn ich sie beobachtete. Sie waren Heldinnen in meinen Augen, wie sie alles für ihren Nachwuchs gaben. Und das änderte sich für mich auch nicht, je älter ihre Kinder wurden. Vielmehr schienen mir auch die Mütter an ihren sich verändernden Aufgaben zu wachsen. Sie hatten meine 100%-ige Bewunderung und manchmal auch mein 100%-iges Mitgefühl, weil sie es ja bekanntlich nicht immer leicht haben.



Dieses Bild von Müttern habe ich heute immer noch. Aber je mehr ich selbst ein Teil der ,,Müttercommunity" wurde, desto mehr lernte ich auch eine Seite an ihnen kennen, die mir bis dato ehrlich gesagt völlig unbekannt war. Ob online oder von Angesicht zu Angesicht, ich fragte mich, wie diese romantisch, engelsgleichen, heldenhaften, liebevollen Wesen nur manchmal so biestig sein können?! Ja ,,biestig", das meine ich genau so wie ich es schreibe. Das war mir alles neu. Mütter, die in Internetforen bereits Schwangere und andere Mütter teilweise so harsch kritisierten, dass es mir eiskalt den Rücken runterlief. Mütter, die beim sich beim gemeinsamen Spazierengehen oder in Spielgruppen mit ihren Kindern, nicht gegenseitig austauschten und aufbauten, sondern nur so mit Ratschlägen und Kritik um sich warfen, als ginge es gerade darum, die eigenen Worte als Waffe zu benutzen.

Aber die zarte Heldin und das kritiksüchtige Biest sind natürlich zwei gegensätzliche Extreme, die ich bewusst gewählt habe. Es ist ganz klar übertrieben, aber ich würde heute glatt behaupten, dass zumindest ein klitzekleines Bisschen von beidem in jeder (werdenden) Mutter steckt. Aber wie kommt es, dass wir uns so erstaunlich oft kritisieren? Themen wie Impfen, Stillen, Kinderbetreuung, Schlafgewohnheiten und Ernährung kann man ja teilweise nicht mehr leichtfertig ansprechen, ohne eine waschechte Diskusion im ,,Mommy Wars"-Stil anzuzetteln.

 Ich habe manchmal das Gefühl, dass das oftmals unbewusst passiert, da uns ALLE eine Sache ganz klar verbindet! Und zwar die Unsicherheit. Keine Schwangere oder Mutter kann behaupten, dass sie sich nie verunsichert gefühlt hat, angesichts all der neuen Herausforderungen und Umstellungen. Keine kann behaupten, dass sie sich immer vollkommen sicher ist, bei allem was sie tut. Wir wollen alle immer nur das Beste für unser Kind, aber manchmal wissen wir einfach in gewissen Situationen nicht (sofort), was das gerade ist. Kritisieren wir andere Menschen, fühlen wir uns zumindest in diesem Moment irgendwie stärker. Wir täuschen uns für einen kleinen Augenblick über unsere eigene Unsicherheit hinweg. Aber lohnt es sich, sich selbst auf Kosten anderer zu stärken?

Ich bin froh, dass es aber auch anders geht. Dass ich einerseits kennenlernen musste, wie negativ der Umgang untereinander oft ist, wird erträglicher, weil ich dankbar bin für all die Begegnungen und Gespräche mit Müttern, die so unheimlich aufbauend waren, wie wir es uns wahrscheinlich alle wünschen. Wie groß der Zusammenhalt dann doch oft ist. Wie die gleiche Mutter, die mich gestern noch mit ihrer Kritik verletzt hat, mir am nächsten Tag doch noch eine unheimliche Stütze sein kann. Weil die meisten wohl kaum ein Biest sein wollen, sondern manchmal gerade einfach kein anderes Ventil finden, für ihre eigene Unsicherheit. Weil wir Positives zwar sehen, aber für zu selbstverständlich halten, um es dem anderen mitzuteilen. Kritik flutscht einem da oft schon leichter von den Lippen. 

Haben wir manchmal vor lauter Kritisieren einfach verlernt zu loben? Und zwar nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene? Ich persönlich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass ich ein richtiger Geizkragen sein will. Und zwar im Bezug auf Kritik. Manchmal hat sie zwar ihren Platz, aber viel, viel seltener als wir sie dann tatsächlich gebrauchen. Gleichzeitig will ich richtig verschwenderisch sein. Verschwenderisch mit Lob, Anerkennung und Mitgefühl. Bei Kritik ist ein ZU viel, so viel schneller erreicht, als bei Lob... Nicht umsonst wird oft geraten, dass man eine Person 5 mal mehr loben soll, als sie zu kritisieren. Ungefähr ab so einem Lob-Kritik-Verhältnis ist eine dauerhafte und positive Beziehung überhaupt erst möglich. 

Wir können andere nicht ändern, aber wir können alle selbst bei uns anfangen. Wir können uns bewusst dazu entscheiden, so manche Kritik lieber für uns zu behalten oder geschickter zu formulieren. Und vor allem können wir uns bewusst dazu entscheiden, andere viel öfter zu loben :) Das nehme ich mir immer wieder auf´s Neue vor, auch wenn es nicht immer so einfach ist. 




Was für Erfahrungen habt ihr mit dem Umgang von Müttern untereinander gemacht? Fällt es euch eher leicht oder schwer, andere mehr zu loben als zu kritisieren? :)


,,Erwischt"! - Nominierung zum ,,One lovely Blog Award"

Montag, 16. März 2015

Ich freue mich immer wieder über die kleineren und größeren Möglichkeiten der Bloggerwelt, sich untereinander zu vernetzen, besser kennen zu lernen und ein Stück weit zu unterstützen! Nachdem ich bereits für den Liebster Award 33 Fragen von 3 tollen Bloggerinnen beantworten durfte, wurde ich nun auch für den ,,One lovely Blog Award" nominiert. Und zwar von der lieben Manati von ,,Manatis Welt"! Sie lässt uns online teilhaben an ihrer ersten Schwangerschaft. Ihre Leser fiebern schon ganz schön mit ihr mit, denn so lang ist es gar nicht mehr hin, bis die kleine ,,Yetin" endlich da ist :) Schaut doch einfach mal selbst bei ihr vorbei, ich persönlich lese ihren Blog unheimlich gerne und verpasse kaum einen Post :)


Hier die ,,Spielregeln" des Awards:

- Bedanke dich bei der Person, die dich nominiert hat und verlinke diese in deinem Post
- Erwähne selbst die Regeln 
- Veröffentliche sieben Fakten über dich 
- Suche selbst weitere Blogger für den Award aus und teile Ihnen deine Nominierung mit 


Ich habe mir Mühe gegeben, mehr oder weniger interessante Kleinigkeiten aufzugreifen, die ich bisher in meinem Blog noch nicht erwähnt habe. Aber erwartet nichts Weltbewegendes, denn darum soll es bei diesem Award gar nicht unbedingt gehen :)



7 (un)wichtige Fakten über mich

1.  Ich war gerade mal 40 Tage alt, als meine Eltern mit mir von Kasachstan (zurück) nach Deutschland gezogen sind. Folglich habe ich nicht viele (haha, besser gesagt keine ;D) Erinnerungen an mein Geburtsland. An mir merke ich aber trotzdem deutlich, dass ich von beiden Kulturen stark geprägt bin, worauf ich aber auch stolz bin :) Mal schauen, wie viel Multikulti MoJo dann noch abbekommt ;)

2.Mein Mann und ich sind seit dem 10.10.2010 ein Paar. Dieses Datum kann man nur schwer vergessen :D

3. Mittlerweile habe ich 7 verschiedene Sprachen gelernt, darunter 3 ,,tote" :D: Deutsch, Russisch, Englisch, Niederländisch, Latein, Hebräisch, Griechisch. Das führt bei mir oft zu einer gewissen Verwirrung, da ich die Sprachen zumindest in Gedanken ziemlich oft vermische ;D Aber ich muss zugeben, dass es bei mir mit den letzten drei genannten Sprachen immer mehr nachlässt, je länger die Schul- bzw. Studienzeit zurückliegt ;)

4. Ich kann Rosen nicht leiden. Besonders nicht die roten. Generell kann ich mit allem, was irgendwie ,,typisch romantisch" ist,  nicht wirklich etwas anfangen :D 

5. Vor meiner Schwangerschaft gab es Zeiten, wo ich nur ein Paar flache Schuhe besaß. Mit 1,61 m Körpergröße waren HighHeels einfach meine besten Freunde :D Das hat sich aber mittlerweile geändert, was wiederum dazu geführt hat, dass ich regelmäßig Leuten erklären muss, dass ich NICHT geschrumpft bin, sondern sich lediglich mein Schuhsortiment geändert hat ;)

6. Fragt man drei Leute danach, was für eine Augenfarbe ich habe, bekommt man meistens mindestens drei verschiedene Antworten. Grau, blau, grün und alle Kombinationen daraus sind dann im Gespräch. Die Diskussionen, die dann folgen, erinnern mich stark an ,,#dressgate" :D Jeder sieht eine andere Farbe. 

7. Will man mich weinen sehen, muss man mit mir nicht den Untergang den Titanic, sondern ,,Der König der Löwen" anschauen. Egal wie sehr ich es versuche,  diesen Film konnte ich bisher noch nie ohne Tränen anschauen ;)




So, das waren die gefragten 7 kleinen Puzzleteilchen, die zu mir und meinem Leben gehören :)

Um die Möglichkeit zu nutzen, sich besser kennenzulernen, möchte ich zum Schluss bewusst ein paar Blogs nominieren, die ich heute ganz frisch entdeckt habe :)



Anna von ,,Seit du da bist- Wie mein Kind mein Leben auf den Kopf stellt"
Sandy von ,,Bibliotheksfräulein"
CA von ,,Bin dann mal schwanger..."
Alejandra von ,,Designmuddi"
Sina von ,,SinaMa"




Mini-Me oder süßer Cocktail :) ? - Das Ähnlichkeitsspiel mit dem Nachwuchs

Montag, 9. März 2015


Ihr kennt das bestimmt: Ständig mustern Menschen euer Baby und euch ganz genau, bis schließlich das Fazit mitgeteilt wird: ,,Ganz die Mama" oder auch ,,Ganz der Papa".  Bei uns heißt es mittlerweile am häufigsten: ,,Gute Mischung aus euch beiden." Das hören wir natürlich auch gerne ;D Aber da ich am Wochenende Geburtstag hatte und mal in alten Fotoalben bei meinen Eltern gestöbert habe, habe ich aus Spaß einfach mal ein paar Babyfotos von mir und MoJo nebeneinander gesetzt. Quasi für den direkten Vergleich :D



Ich sehe dieses ganze Ähnlichkeits-Memory ja nicht als Wettbewerb zwischen mir und meinem Mann. Aber ich muss sagen, es ist schon etwas Wundervolles, immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen mir und MoJo zu entdecken, seien es nun optische oder charakterliche :) Aber ich freue mich natürlich genauso, Facetten meines Mannes in unserem Sohn wiederzuentdecken :) Und ständig kommt etwas Neues dazu :)

Das hört wahrscheinlich auch nie so richtig auf. Von Jahr zu Jahr entdecke ich ja selbst immer wieder noch mehr Dinge an mir, die mich eindeutig an meine Mutter oder meinen Vater erinnern :D Schon krass, was uns unsere Eltern alles ,,mitgeben", aber auch, wie viel wir trotzdem noch selbst in der Hand haben :) Denn egal wie sehr ich mich über Ähnlichkeiten mit meinem Sohn freue, am wichtigsten ist es mir doch, dass er den Freiraum bekommt, sein ganz eigenes Ich zu entfalten :) Zu lernen, sich auszuprobieren, zu scheitern, zu triumphieren... :)



Wie findet ihr es eigentlich, wenn Andere eure Familie ,,abscannen", um dann zu sagen, wem der Nachwuchs ähnlich sieht?  Interessant oder eher nervig ;) ?

Weckton 2.0 - Ich verlege meinen Wecker und verschlafe doch nie

Mittwoch, 4. März 2015

Mein Mann kann eine gefühlte Ewigkeit damit verbringen, sich eine schöne Melodie auszusuchen, mit der er dann am nächsten Morgen von seinem Handy geweckt wird. Das habe ich schon vor langer Zeit aufgegeben. Ich finde, ein Weckton ist nie schön, wenn man eigentlich noch zu müde ist, um aufzustehen. Da hilft weder mein Lieblingslied, noch angeblich entspannende Naturgeräusche, oder auch ein Drill-Instructor, der mich durch den Handylautsprecher anbrüllt, ich müsse endlich meinen Hintern hochbekommen und aufstehen. So war ich schon immer ein richtiger Morgenmuffel, der sein Bett einfach viel zu sehr liebt, als dass ich vor Sonnenaufgang den Trennungsschmerz überwinden könnte. Naja, zum Glück hat es mich dann quasi durch mein Leben gerettet, dass ich andererseits auch ein sehr disziplinierter Mensch bin. So habe ich es dann doch immer rechtzeitig aus dem Bett geschafft, nachdem ich meinem Handy dreimal hintereinander klar gemacht hat, es solle mich doch bitte nochmal in fünf Minuten ans Aufstehen erinnern :D

Aber diese Zeiten sind momentan sowieso vorbei! Die Male, in denen ich mir in den letzten sechs Monaten einen Wecker stellen musste, kann man an zwei Händen abzählen und selbst dann bleibt noch etwas Luft nach oben. Klingt nach Luxus, oder? ;) Das war eindeutig der Wunschtraum meines PreMama-Ich´s. Siehst du, Wecker? Ich habe Schluss gemacht mit dir, und mich endlich für meine wahre Liebe, mein Bett, entschieden! Allen Müttern ist wahrscheinlich bewusst, dass jetzt bald der Haken kommt. Das klingt einfach zu schön ;) Mein Wecker wurde nämlich ersetzt. Und mein neuer Wecker sucht sich seine Weckmelodie ganz alleine aus :D Auch nachts lädt er sich von ganz alleine auf und sobald sein Akku voll ist, teilt mir das mein kleiner MoJo mit. Aber das meine ich jetzt wirklich keineswegs negativ. Denn wie toll diese Art von Wecker sein kann, war mir früher nicht bewusst. Ich hatte da ehrlich gesagt eher ein bisschen Sorge, dass ein kreischendes Kind am Morgen, meine zu dieser Tagszeit eh noch labilen Nerven ziemlich auf die Probe stellen würde. Aber das Schicksal hat es in diesem Fall doch wirklich gut mit mir gemeint. Wenn MoJo mich weckt (mittlerweile meistens gegen 8 Uhr), dann in der Regel mit fröhlichem Gebrabbel oder im worst-case mit seiner kleinen, aber ziemlich kräftigen Faust in meinem Gesicht :D Aber auch das nie ohne ein Lächeln bis über beide Ohren :D

Und hey... Ganz ehrlich: Wie kann ich da noch ein Morgenmuffel sein?! :) Auch wenn ich abends mal zu spät ins Bett komme und mir dann manchmal denke, wie schön es wäre, auch mal etwas länger zu schlafen. Sobald ich dann morgens wach werde und den kleinen Babywecker sehe, steigt meine Laune automatisch. Vielleicht liegt das ja an den Hormonen? :D Auf jeden Fall finde ich es klasse. In all den Jahren vor MoJo habe ich tausend Dinge versucht, um meinem Morgenmuffeltum den Kampf anzusagen und endlich mal mit guter Laune in den Tag zu starten. Aber egal, was ich ausprobiert habe, es gelang mir erst, nachdem ich mindestens eine Stunde Zeit hatte, um mich mit dem Tag anzufreunden :D Zack, hast du ein Kind und gewisse Dinge ändern sich von einem Tag auf den Anderen. Ich finde das Faszinierend. Ich überlege oft, inwiefern ich noch die Gleiche bin wie vorher, und was sich alles geändert hat. Mein Start in den Morgen ist da nur ein kleines Alltagsbeispiel.  


Denn Stress hin oder her. Meine Morgen sind gerade so schön, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Einfach weil mein Kind zu den ersten Dingen gehört, die ich sehe, wenn ich meine Augen öffne. Und selbst wenn er morgens öfter schreien und nicht glücklich grinsen würde, das würde daran nichts ändern. Vielleicht hat er sich dann einen nervigen Weckton ausgesucht, aber wenn man den Wecker selbst so sehr liebt, macht das nicht viel aus. Schon möglich, dass ich nur so reden kann, weil ich das Glück habe, dass MoJo mittlerweile sehr gut durchschläft. Ich kann mich noch genau an das geräderte Gefühl erinnern, das man als Mutter hat, wenn man nachts ständig zombiegleich aufstehen muss, da der ,,Wecker" zu einer Uhrzeit klingelt, die man selbst nie freiwillig eingestellt hätte. Aber selbst die Mütter, denen es nachts immer noch so geht, erzählen mir erstaunlich oft, wie sehr sie dann trotzdem den Morgen mit ihrem Baby genießen :) Wer hätte das gedacht.

Nach den ersten schönen Gute-Morgen-Momenten mit MoJo überfällt mich dann doch ab und an eine Stresswelle, wenn ich daran denke, was an diesem Tag alles noch so ansteht. Aber dann versuche ich immer ganz bewusst abzuschalten. Für solche Gedanken ist nachher noch genug Zeit. Der Morgen gehört alleine mir und meinem Kind :) Und diese Zeit will ich genießen. Wir strecken uns nochmal synchron, kuscheln, albern herum, machen sein Essen fertig, tauschen die Pyjamas gegen etwas Tagestauglicheres... Und das alles vor allem mit ganz viel Ruhe und bewusstem Genießen des Moments :) Je stressiger der Tag wird, desto wichtiger ist es für mich, diese Morgenzeit zu zelebrieren und Hektik bewusst fernzuhalten. Das gibt mir einfach die nötige Energie, für das, was noch kommt.

Vorher war der Morgen von mir verhasst, nun ist er mir für meine Mutter-Sohn Beziehung so heilig, dass Stress und Sorgen zu dieser Zeit keinen Raum in meinen Gedanken haben sollen. Wenn sie es doch versuchen, mache ich mit ihnen das gleiche, was ich früher gerne mit meinem Handy gemacht hätte, wenn es mich wieder mal besonders nervig weckt: Einfach auf lautlos stellen...! :)



Wie ist das bei euch: Morgenmuffel oder früher Vogel aus Leidenschaft? ;) Was ist euch bei eurem Start in den Tag wichtig geworden? :)

 


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