Plötzlich ein Schisser!

Mittwoch, 3. Februar 2016

Bevor ich Mama wurde, sah ich die Sache mit der Angst noch recht ähnlich wie der kleine Simba in "Der König der Löwen": "Gefahr? Hahaha, ich lach dir ins Gesicht!" Nie wäre ich auf die Idee gekommen irgendeine Stadt oder Veranstaltung nicht zu besuchen, nur weil mir dort ja eventuell etwas geschehen können. Schließlich kann doch immer irgendetwas passieren. Egal ob beim 5-Minuten Weg zum Bäcker, ein paar Schritte vor der eigenen Haustür oder auch in den eigenen vier Wänden. Warum also Angst haben? Angst hätte meiner Neugier und meiner Unternehmungslust doch nur im Weg gestanden!
 
Und als MoJo noch recht klein war konnten wir ihn eigentlich so gut wie überall hin mitnehmen. Er hatte kein Problem damit ständig neue Leute um sich herum zu haben oder an anderen Orten als Zuhause ein Nickerchen einzulegen. Frühstücken gehen? Baby kommt mit. Freunde treffen? Baby kommt mit. Restaurantbesuch? Baby kommt mit. Kurzreise? Baby kommt mit. Und heute handhaben wir das, so gut wie es mit kleinem Wirbelwind-Kleinkind irgendwie geht, eigentlich noch genauso. Doch natürlich gibt es einfach Orte, wo man ein kleines Kind eigentlich nicht mit hinnehmen kann. Zu Weihnachten schenkte mir mein Mann zum Beispiel Karten für das Disney Musical "Die Schöne und das Biest". Ein Date-Day genau nach meinem Geschmack. Meine Eltern freuten sich während dieser Zeit auf MoJo aufzupassen, bis hierhin eigentlich noch gar kein Problem.
 
 
 
Doch an irgendeinem Punkt des Abends mischte sich zur Freude über den Musicalbesuch ein ungutes Gefühl. Ich hatte Angst. Warum? Das kann sich bestimmt jeder denken, der die Nachrichten verfolgt... Ich fühlte mich unwohl im Theater mit so vielen Fremden. Hier und da ein Schulterblick, Leute beobachten. So kannte ich mich bisher noch gar nicht. Aber mir geht es in diesem Artikel gar nicht um die Terrorangst. Ich hasse es, dass mich die aktuelle Situation gelegentlich so skeptisch gegenüber Fremden machen kann! Ich fragte mich zunächst einmal nur was da bloß so "plötzlich" mit mir geschehen war. Seit wann war ich denn bitteschön so ein Schisser, der die Notausgänge des Theaters abscannte? Ein gut inszenierter Pyro-Effekt und ein lauter Knall als Belles Vater im Schloss des Biestes gefangen genommen wurde, und ich zuckte zusammen wie ein kleiner großer Angsthase.
 
Auf dem Heimweg wurde mir schnell klar, dass weder Nachrichten noch eine veränderte Sicherheitslage in Deutschland der Grund für meine Angst waren. Ich hatte mich verändert. Natürlich habe ich es auch früher nie darauf angelegt, dass mir unterwegs etwas passieren könnte. Sicher wollte ich noch möglichst lange weiterleben! Aber der Tod war trotzdem nichts wovor ich Angst hatte, bzw. etwas worüber ich mir großartig Gedanken machte. Doch sehr oft, wenn ich nun MoJo bei seinen Großeltern lasse und selbst wo anders bin, frage ich mich : Was wäre, wenn mir nun unterwegs etwas passieren würde? Wenn ich eventuell gar nicht mehr zurück kommen würde? Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich wirklich Verantwortung für jemanden und kann daher der Gefahr nicht mehr einfach so ins Gesicht lachen. Lieber mache ich einen großen Bogen um sie herum.
 
Wer wirklich liebt, der hat irgendwie automatisch Angst. Angst zu verletzen, Angst zu verlieren... Dann gibt es kein "Egal" mehr. Vor allem, wenn ein kleines Leben so eng mit dem eigenen verknüpft ist. Ob ich mich nun deswegen am liebsten Zuhause verstecke und nie wieder ins Kino, Theater oder in eine Großstadt fahre? Ähm... Nein! Denn auf keinen Fall will ich, dass sich meine Angst so irgendwann auf meinen Sohn überträgt. Und auch nicht, dass die Angst mein Leben so einschränkt. Aber trotzdem hat es wohl auch etwas Gutes, dass ich die Gefahr nicht mehr so einfach ausblende wie in meiner "Jugend". Wo ich früher gar nicht über meine Sicherheit nachgedacht habe, tue ich es nun doch. Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt, mein Fahrstil unterwegs, Orte und Uhrzeiten die einfach ein höheres Risiko mit sich bringen... Ich handle nun einfach überlegter. Nicht meinetwegen. Sondern meinem Kind zuliebe. Wo man da seine Grenzen zieht ist manchmal gar nicht so einfach. Jeder tut das für sich selbst und von Situation zu Situation. Vielleicht bin ich dadurch mittlerweile insgesamt "langweiliger" geworden. Auch mal ein Schisser. Aber naja. Nach so einer Geburt nimmt man wohl nicht einfach nur ein neues kleines Lebewesen mit nach Hause, sondern wird teilweise auch selbst eine neue/veränderte Person ;D
 
Würdet ihr auch sagen, dass ihr vorsichtiger geworden seid seitdem ihr Kinder habt? In welchen Situationen wird euch das bewusst?
 
 


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