Jedem das seine: Ob zehn Kinder oder KEINE

Freitag, 8. April 2016

Zunächst einmal danke, dass ihr mir den "MoJo bekommt ein Geschwisterchen"-Aprilscherz nicht übel genommen habt ;) Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gut es mir getan hat eure Kommentare und Nachrichten dazu zu lesen. Man fühlt sich gleich ganz anders, wenn man weiß dass auch andere Mütter aktuell oder vor einiger Zeit recht ähnliche Überlegungen zu Kind Nr.2 in ihrem Kopf hin und her abgewogen haben. Und am Ende sogar eine Lösung gefunden haben, mit der alle Beteiligten glücklich waren. Oder noch finden werden, ihr Lieben :-* So wie wir, die nun einfach abwarten, was das Leben in naher Zukunft so mit sich bringt, und wann unsere Herzen eventuell bereit dazu sein werden, MoJo tatsächlich ein Geschwisterchen zu spendieren :D
 

Kinderlose Frauen als Hassobjekt

 
Komplett anders erging es Holly Brockwell als sie im Netz, ähnlich offen wie ich in der letzten Woche, über ihren Kinderwunsch berichtete.  Denn bei ihr stellte sich erst gar nicht die Frage, wie viele Kinder sie gerne in die Welt setzen würde. Das Gegenteil war der Fall als die junge Frau klar machte: "Ich will KEINE Kinder." Nicht weil sie Kinder hasse, sondern weil ihr einfach der emotionale Anreiz komplett fehle. In all ihren Wünschen und Plänen für ihr Leben kamen Kinder nicht vor. Und doch ist sie mit dieser Entscheidung glücklich. So glücklich, dass sie sogar in ihrem sehr jungen Alter eine Sterilisation durchführen lassen wollte. So weit so gut. Oder auch nicht? Das, was ihr daraufhin online an Reaktionen entgegen schlug, hatte es eindeutig in sich. Die "nettesten", die sich zu Wort meldeten, bezeichneten sie als "egoistisch", "dumm", "ignorant" oder "psychisch labil". Vor allem Männer machten ihr deutlich, dass eine Frau ohne Kinderwunsch im Prinzip wertlos sei und irgendetwas bei ihr ziemlich schief gelaufen sein musste. Einer rief sogar zu einer Spendenaktion auf, um ihr eine Kehlkopf-Entfernung zu bezahlen, damit sie so einen Mist nicht weiter verbreiten könne.
 

Berurteilt

 
Zunächst einmal: Wie ekelhaft und gemein kann man sein, um überhaupt solche Kommentare zu schreiben? Das einzige, das hier eindeutig schief läuft ist wohl, dass Frauen wie Holly nicht ehrlich über ihren Kinderwunsch reden können, ohne dafür von allen Seiten verurteilt oder beleidigt zu werden. Kriegt man bewusst kein Kind ist man sowieso ein Monster. Kriegt man nur eines, ist man egoistisch, weil man sein Kind um einen Bruder oder eine Schwester bringt. Zwei sind nett, aber drei wären vielleicht auch nicht schlecht für's deutsche Rentensystem. Mehr als drei? Oh meine Güte, braucht ihr Nachhilfe in Sachen Verhütung?! Egal wie man's anstellt, man kann es nur falsch machen. Zumindest in den Augen anderer. Daher ist es meiner Meinung nach umso wichtiger, alle Entscheidungen zur Familienplanung gemeinsam mit dem Partner zu treffen. Und zwar vollkommen unabhängig von außen. Denn letztlich ist es unser Leben und es sind unsere Wünsche und Träume, um die es geht. Und dann soll es mir doch vollkommen egal sein, ob eine andere Frau keine Kinder haben will, oder ob eine andere Familie gleich eine ganze Fußballmannschaft in die Welt setzt.
 

 

Der eigene Traum vom Leben

 
Daher würde ich auch nie eine Frau wie Holly Brockwell verurteilen wollen. Zugegeben: Für mich persönlich wäre die bewusste Kinderlosigkeit nichts. Viel zu groß war schon immer mein Wunsch danach, eine eigene (kleine) Familie zu haben. So groß, dass ich sogar in meinen "wilden 20-ern" hier und da zurückstecke, um diesen Traum schon jetzt zu leben. Ich liebe es meinen Alltag mit einem kleinen, wundervollen Menschen zu teilen. Das Gefühl ein richtiges "Wir" zu sein. Keine Kinder bekommen zu können, wäre für mich ein schlimmer Schicksalsschlag gewesen. Und dennoch kann ich die Gedanken von jungen Frauen wie Holly, die im Leben auch ohne Kinder glücklich werden wollen, durchaus nachvollziehen. Es gibt noch so viel weiteres Spannendes und Sinnvolles, das man mit sich und seinem Leben anfangen kann, abseits davon die Weltbevölkerungsanzahl zu steigern. So viel Gutes, was man dann trotzdem zwar nicht seinem Kind, aber seinen Mitmenschen geben kann.
 

Eine Sache des Gefühls

 
Kinder zu bekommen ist eben heutzutage nichts Rationales mehr. Ich sehe ein: Früher war es notwendig, um das eigene Überleben zu sichern. Kinder halfen überall dort mit, wo es ging. Erwachsene Kinder waren quasi die einzige Altersversicherung, die alternden Eltern blieb. Doch heute? Heute muss doch eigentlich keiner, der es nicht wirklich will, überhaupt Kinder bekommen. Ob ich eine Familie gründe und wie groß diese sein soll, ist eine rein emotionale Entscheidung geworden. Eine Herzensentscheidung, die im besten Falle zwei Menschen gemeinsam treffen. Und das finde ich gut und schön so. Daher sollten wir jedem Herzen selbst überlassen, welchen Weg es wählen will und zu welchem Zeitpunkt. Und zum Glück klappt dies eigentlich ganz gut ohne Beeinflussung durch andere. Also: Leben und leben lassen ;)
 
 
Welche Meinung habt ihr zur Thematik "Frauen ohne Kinderwunsch"? Völlig legitim oder doch irgendwie seltsam?
 
 
 

4 Kommentare |

  1. Das hast du wirklich sehr schön geschrieben und du hast es mal wieder auf den Punkt getroffen.
    Ich kann ebenfalls nicht nachvollziehen, warum sie sich rechtfertigen muss und beschimpft wird. Es ist ihr gutes Recht so zu leben wie sie es möchte. Ich hatte schon sehr früh (eigentlich schon immer) den Wunsch eine Familie zu gründen und würde trotzdem niemals auf die Idee kommen, andere die einen anderen Wunsch haben zu verurteilen!
    Eine tolle Idee von dir, dieses Thema in deinem Blog aufzugreifen!

    Liebste Grüße,
    Jasmin

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  2. Es ist wirklich jedermanns eigene Entscheidung, ob er Kinder haben will oder nicht. Ich kann überhaupt nicht verstehen, was es an dieser persönlichen Entscheidung zu kritisieren und zu verurteilen gibt ... Da bin ich also ganz deiner Meinung ;)

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  3. Hallöchen,

    ich denke auch, dass jeder das selbst entscheiden muss. Was bringen "auferzwungene" Kinder, wenn man sich dazu nicht bereit fühlt?
    Ich persönlich, weiß mit fast 20, dass ich mir persönlich lediglich ein Kind irgendwann wünsche. Ich bin selbst als Einzelkind aufgewachsen und hatte nie das Gefühl, dass meine Eltern mich um ein Geschwisterkind betrogen haben. Es gab genügend Cousins und Cousinen - wenn auch teilweise deutlich älter - sowie Freunde um das auszugleichen. Zumal ich gerne mal ganz für mich allein bin.
    Auch kann ich mir vor Ende 20/Anfang 30 für mich keine Familie vorstellen. Ich fühle mich dafür einfach noch nicht reif genug und möchte erstmal meine Ziele erreichen.
    Aber das Thema Kinderwunsch ist genauso ein Reizthema wie Kinderbetreuung. Für mich steht jetzt schon fest, dass ich in meinen künftigen Beruf schnell wieder zurückkehren möchte. Ich würde zu Hause sonst wohl einfach bekloppt werden.
    Jetzt habe ich aber viel gelabert :D
    Fazit: Jeder muss es für sich selbst entscheiden, da jeder sein Leben leben muss und niemand anders, dass für einen tun wird.

    Liebe Grüße
    Sarah

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  4. Da gebe ich dir vollkommen recht. Es ist jedem seine eigene Entscheidung. Ich hätte auch nie sagen können, dass ich nie Kinder möchte, einfach weil ich den Sinn meines Lebens auch in meinen Kindern sehe, aber wenn das jemand für sich so entscheidet, dann ist das immer noch besser, als wenn er sich zu Kindern überreden lässt und es den Kindern dann nicht gut geht. Ich finde es generell erschreckend wie respektlos und schamlos manche einfach ihre Meinung abgeben. Man kann über alles diskutieren, aber verurteilen und beleidigen, das muss nicht sein. Das hast du alles sehr gut geschrieben.
    Liebe Grüße
    Katharina

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